Montag, 27. April 2015

Gleimstraße 52: Die „vergoldete Zeit“ des Nicolas Burmeister oder kognitive Dissonanz und ihre Folgen

Gleimstraße 52
„Der Fuchs biss die Zähne zusammen, rümpfte die Nase und meinte hochmütig: „Sie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben.“
Das wohl älteste und bekannteste Beispiel einer kognitiven Dissonanz findet man in der äsopischen Fabel „Der Fuchs und die Trauben“. Ein Fuchs redet verächtlich über die Trauben, die er nicht erreichen kann, weil sie zu hoch für ihn wachsen. Die Fabel prangert den unehrlichen Umgang mit einer Niederlage: Um sich nicht eingestehen zu müssen, dass er versagt hat, behauptet der Fuchs, die Trauben gar nicht erreichen zu wollen.


Grob formuliert, versteht man in der Psychologie unter kognitiver Dissonanz ein als unangenehm empfundenes Gefühl, inkompetent oder unmoralisch gehandelt zu haben. Das Schönreden eines solchen Versagens wird als Rationalisierung oder Kognitive -Dissonanz -Reduktion bezeichnet.
Im Falle der Wisbyer Str. 6 erwischte die kognitive Dissonanz wieder einmal Herrn Nicolas Burmeister, den Geschäftsführer der Interra Hausverwaltung GmbH. Offenbar empfindet er eine starke psychologische Erregung, wenn es um die Wohnungsbesichtigungen geht. In einer Mail an die Anwältin der Mieter_innen aus der Wisbyer Str. 6, gibt er seinem Ärger über die sogenannten „Mieterversammlungen“ Luft.
 



Allein der Ausdruck „Zeit vergoldet“ ist epochal und offenbart das Bildungsniveau des Verfassers. Aber weder Stil noch Orthographie der E-Mail interessieren uns, sondern ihr Gestus. Er verrät eine starke psychologische Erregung, ausgelöst durch die kognitive Dissonanz.                                         Es handelt sich hierbei lediglich um die Zeug_innen der Betroffenen, die zur Unterstützung anrücken, da die Erfahrungen, die wir mit den Mitarbeiter_innen der Inter Stadt - und Wohnungsbau GmbH & Co. Immobilienhandels KG bei diversen Terminen gemacht haben, rein negativer Natur sind. Sie sind frech, unhöflich und üben Druck auf die Mieter_innen aus. Und da gibt es nur eine Möglichkeit einen Herrn Burmeister oder einen Herrn Klupp oder einen Herrn Stärker im Zaum zu halten: ausreichend Zeug_innen dabei zu haben. Das mögen die o.g. Herren ungefähr so, wie der Teufel das Weihwasser.

Nun, da Herr Burmeister es nicht verbieten kann, dass die Zeug_innen sich bei Besichtigungsterminen in den Wohnungen der Betroffenen aufhalten, erklärt er, die „Mieterversammlungen“ nicht „dulden“ zu wollen, und droht mit dem Abbruch des Termins. „Hier wird eindeutig nur Zeit vergoldet und versucht, den Vermieter das Leben schwer zu machen!“


Wahrlich, gäbe es nicht so einen Nicolas Burmeister, müsste man ihn erfinden, den ohne so einen Spaßmacher wäre das Ganze nur halb so lustig. Wenn Herr Burmeister einen mühsam gefundenen Termin abbrechen möchte – bitte schön. Es stellt sich nur die Frage - wie oft er dazu bereit ist?
Außerdem besitzt das Wort „Klupp“ magische Kräfte. Es entfaltet eine starke mobilisierende Wirkung. So warteten vergeblich rund 20 Unterstützer_innen am 16.04.2015 auf Klupps Erscheinen. Aber – er kam nicht. Auch Herr Burmeister und Herr Stärker nicht. Schade. Mehrere Mieter_innen, darunter einige Delegierten der Berliner MieterGemeinschaft e.V, Bürgerdeputierte der Pankower BVV, aktive Mitglieder des Mieterforums Pankow und auch "Mieter aus anderen Objekten" waren enttäuscht.

Die Moral von der Geschichte ist: Wer Dinge, die er nicht erreichen kann, schlecht redet, soll sich an der o.g. Fabel ein Beispiel nehmen.

Sicherlich können auch Scheinlösungen, Illusionen und Ausreden, die Spannungen, die durch eine kognitive Dissonanz entstehen, reduzieren. Man kann die Erregung beispielsweise auf andere Ursachen zurückführen: „Die Scheinheiligkeit dieser Mieter_innen nervt mich. Sie alle wollen nur das Eine - Geld." Oder durch das Herunterspielen des Widerspruchs zwischen dem eigenen Verhalten und Einstellung : „So schlimm ist mein Verhalten nun auch wieder nicht. Die anderen Firmen machen es ja genau so.“ Die gängigste Reduktion ist wohl diese, wenn das eigene Verhalten als erzwungen dargestellt wird: „Ich musste ja so handeln. Ich habe ja nur Befehle ausgeführt.“ Oder: „Das Geld regiert die Welt. So verlangt es der Markt“. etc. etc. Tabak, Alkohol und andere Drogen können auch zur Linderung der psychologischen Erregung beitragen.

Es gibt natürlich andere Wege. Man kann die kognitive Dissonanz durch Sport und ausgleichende Aktivitäten, wie zum Beispiel durch Ruhe, Vermeidung von vermeidbarem Stress oder Meditation bekämpfen.

Oder man gibt die eigenen Wünsche, Absichten oder Einstellungen auf. Häufig ist es dabei notwendig, den Blickwinkel zu ändern, wenn man dazu in der Lage ist.

Aber wer kann schon aus der eigenen Haut heraus?